Kunststoff-Lackieranleitung Teil 4: Basislack und Klarlack 
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Im Zweischicht-System werden Basislack (Farbe) und Klarlack (Schutz und Glanz) getrennt aufgetragen. Moderne Klarlacke schützen die darunterliegende empfindliche Farbschicht (Basislack) optimal gegen UV-Strahlung, chemische und mechanische Belastung und Witterungseinflüsse. Man unterscheidet MS- und HS-Klarlack Systeme. Der Klarlack wird für Kunststoff-Lackierungen mit Elastifizierer, Härter und Verdünnung gemischt.
KS4a.1 Anschleifen
A) Bei lackierten Teilen: Wenn der alte Lack bereits rissig, abgeplatzt oder sonstwie schadhaft ist, muß er komplett auf den Kunststoff-Untergrund heruntergeschliffen werden (80-120er Körnung). Dann bei Schritt KS1.1 beginnen. Wenn der alte Lack noch in Ordnung ist, schleift man nach dem Reinigen nass mit 400-600er oder trocken 180er (Hand) bzw. 240-320er (Exzenter) alle zu lackierenden Flächen gründlich an. Nasspapier immer mehrere Stunden in Wasser einweichen, damit es weich und geschmeidig wird. Bei Trockenpapier auf vernünftige Staubabsaugung achten, das verlängert die Standzeit des Papiers enorm. Vorsicht an Ecken und Kanten, da schleift man schnell mal auf den Untergrund durch.
B) Nackter Kunststoff: nicht anschleifen, aber immer mit KS-Reiniger reinigen und Kunststoff-Grundierung 17000 oder Porenwischfüller verwenden (siehe Schritt 1 und 2)!
KS4a.2 Reinigen Nackter Kunststoff: siehe Schritt KS 1.2. Anschließend die zu lackierenden Flächen vorsichtig mit Kunststoff-Reiniger 87020 mit einem sauberen Tuch abwischen und einige Minuten ablüften lassen. Lackierter Kunststoff: Einfach kurz mit KS-Reiniger abwischen.
KS4a.3 Abkleben
Vor dem Auftragen des Basislackes unbedingt neu abkleben, um Schleifstaub, Füller- und Spachtelreste, die sich im Papier eingenistet haben, restlos zu entfernen. Die pustet man nämlich sonst schön beim Lackieren auf die frisch lackierten Flächen. Allgemeine Hinweise siehe Schritt 2.3. Auch für den Decklack wieder das ganze Fahrzeug abdecken (z.B. Folie), um Sprühnebel zu verhindern. Bei Reparaturstellen ausreichend Platz beim Abkleben lassen, damit man in den angrenzenden Bereich hineinlackieren und auch den vorher glatt verschliffenen Füller abdecken kann. Beim Abkleben wieder berücksichtigen, ob das Fahrzeug danach noch bewegt werden muß (Tür aufmachen, um Handbremse zu lösen, Räder etc.).
KS4a.4 Staub entfernen
Nach dem Abkleben muß als Schlußvorbereitung vor dem Lackieren nochmal der Staub entfernt werden. Hierzu mit einer Druckluft-Pistole gründlich alle Flächen, Kanten, Ecken und Hohlräume sowie das Abklebepapier abblasen - der Dreck kommt sonst garantiert beim Lackieren raus. Auch sich selbst, d.h. Haare, Anzug etc. mit Druckluft abblasen. Wenn man eine staubige Arbeitsumgebung hat, evtl. den Boden und die Wände (aber nicht das Auto!) mit Wasser besprühen, das bindet den Staub. Dann mit Staubbindetuch 99870 ohne Druck über die zu lackierenden Flächen wischen, um letzten Staub zu entfernen. Am besten einen staubfreien Lackieroverall 99500 und eine Kappe tragen, um Staub zu reduzieren.
KS4a.5 Basislack vorbereiten
Unser Basislack wird bereits spritzfertig geliefert, um eine optimale Deckkraft und Farbtongenauigkeit sicherzustellen. Den spritzfertigen Basislack mit einem sauberen Werkzeug (z.B. Rührstab 99015) in der Dose gründlich aufrühren, damit alle Pigmente gleichmäßig im Lack verteilt sind. Bei Bedarf noch maximal 5-10% Basislack-Verdünnung zugeben. Farbton sicherheitshalber nochmals prüfen, und Lack durch ein Lacksieb in den Pistolenbecher giessen. Pistole zum Reinigen vorher nochmal mit etwas Waschverdünnung durchblasen und dabei auf gleichmäßiges Spritzbild und korrekte Einstellung prüfen (z.B. auf Pappe sprühen). Da der Basislack nicht gehärtet wird, muß auch für die Kunststoff-Lackierung kein Elastifizierer beigemischt werden.
KS4a.6 Basislack auftragen
Zuerst die Ecken und Kanten spritzen, evtl. den Sprühstrahl dafür etwas runder einstellen. Dann gleichmäßig und immer schön satt (beim 1. Spritzgang aber noch nicht deckend) die Flächen lackieren. Wichtig: Sprühstrahl auf senkrecht oval einstellen, 3-4 bar (HVLP entsprechend weniger), Düse 1,3-1,4mm, Pistole waagrecht immer im rechten Winkel zur Oberfläche, Abstand ca. 15-20 cm, gleichmäßige Geschwindigkeit, Bahnen immer zu etwa 1/3 - 1/2 überlappend, etwas über die Kanten hinaussprühen. Tipp: Druckluft-Schlauch vor dem Lackieren nochmal ordentlich hinlegen, damit er nirgends hängenbleibt, denn das garantiert einen fetten Läufer. Auch nicht drauftreten, das gibt Tröpfchenflug. Am besten den Schlauch in der linken Hand mitführen, während man mit rechts lackiert. Nach der ersten Schicht etwa 5 min. warten bis der Lack abgelüftet hat und matt geworden ist. Kontrollieren, ob noch genug Farbe für den zweiten Spritzgang in der Pistole ist. Dann direkt die 2. Schicht deckend auftragen. Wieder etwa 5-10 min. ablüften lassen und dann mit Klarlack überlackieren. Man kann auch mit dem Auftrag des Klarlackes bis zum nächsten Tag warten, da sich dann aber überall unnötig Staub ansammelt, empfehlen wir das eigentlich nicht. Sonderfall 2-Farben Lackierung: dem Basislack etwa 30% 2K MS Härter zugeben, nach dem Auflackieren einige Stunden trocknen lassen und dann für die 2. Farbe vorsichtig abkleben. Nach dem Trocknen des 2. Lackes mit Klarlack überlackieren. Bei der Verarbeitung von Effektlack nach dem Spritzen des Grundtones Schritt 5.7 (Metall) beachten.
KS4a.7 Klarlack auswählen
Beim Klarlack stehen zwei Produktsysteme zur Auswahl: MS (Medium Solid, also mittlerer Festkörperanteil), oder HS (High Solid, also hoher Festkörperanteil und geringerer Lösemittelanteil als beim MS). Der HS ist ergiebiger, dafür allerdings auch etwas schwieriger zu spritzen, und wird mit HS Härtern und ohne Verdünnung verarbeitet. Der HS Klarlack verzeiht einem Einsteiger weniger Fehler, weshalb wir grundsätzlich den MS empfehlen. Als Kunststoff-System werden beide Klarlacke mit 20-40% Elastifizierer ("Weichmacher") gemischt, je nach Härte des Kunststoffes. Anschließend wird diese Mischung 2:1 mit MS bzw. HS Härtern plus 10% 2K Verdünnung (beim MS) verarbeitet. Beide Klarlacke in 2 Spritzgängen auftragen. Der HS kann bei entsprechender Erfahrung ohne Verdünnung mit 1,5 Spritzgängen verarbeitet werden. Für besonders wertvolle Lackierungen gibt es auch noch die neuen kratzfesten Systeme, die wir auf Anfrage auch liefern können.
KS4a.8 Klarlack mischen
Wenn der Basislack gut abgelüftet hat, also ganz matt geworden ist, kann direkt der Klarlack aufgetragen werden. Man kann auch eine Pause machen, dann sammelt sich allerdings unnötig Staub etc. sodass es nicht zu empfehlen ist. Den Basislack nicht schleifen, abwischen, reinigen oder sonst irgendwie berühren. Der MS Klarlack wird 2:1 nur mit dem 2K MS Härter (also 50% zugeben) plus 10% 2K Verdünnung gemischt. Der HS Klarlack kann ausschließlich mit dem HS-Härter gemischt werden, beim HS Klarlack kommt keine Verdünnung dazu (max. 5% zugeben). Härter und Verdünnung "kurz" für kleine Flächen oder niedrige Temperaturen, "normal" für größere Flächen und / oder normale Temperaturen. Den Klarlack dann gründlich aber nicht zu schwungvoll umrühren, um Blasenbildung zu vermeiden, und durch ein Lacksieb in die saubere Pistole geben. Am besten kurz vorher mit Reinigungsverdünnung oder 2K-Verdünnung durchblasen und dabei gleich nochmal das Spritzbild überprüfen.
KS4a.9 Klarlack auftragen
Der Klarlack ist der krönende Abschluß, hier lohnt sich also erstens ein bißchen Üben und zweitens ein bißchen Sorgfalt (z.B. möglichst staubfreie Umgebung schaffen, Lackieranzug, Kappe, Handschuhe von Staub reinigen). Wichtig allerdings: was bei den Vorarbeiten (Schleifen, Spachteln, Füllern, Silikon-Entfernen etc.) vermasselt wurde, läßt sich mit den dünnen Basislack- und Klarlack-Schichten nicht mehr ausgleichen - viel hilft also beim Klarlack nicht immer viel. Der Klarlack wird erst an Kanten und Ecken, und dann nach kurzem Ablüften in zwei Spritzgängen schön nass und überlappend, gleichmäßig und ruhig aufgetragen. Zwischen den Spritzgängen ca. 5-10 min. Ablüftzeit einhalten (bis der Klarlack beim Berühren leichte Fäden zieht). Düse 1,4 mm, Druck 3-4 bar bzw. entsprechend weniger bei HVLP-Pistolen. Weitere Tipps zum Lackieren siehe Basislack 5.6a. Wenn beim Klarlack ein Läufer entsteht, kann man den teilweise beim Lackieren mit der Pistole von unten etwas "hochhalten" (nur mit Luft anblasen), oder im Bereich des Läufers noch mehr Material aufspritzen, sodass er ganz abläuft und dann am unteren Rand abtropft oder mit einem fusselfreien Tuch abgesaugt werden kann. Falls Viecher während des Lackierens in den Klarlack geraten, kann man mit einem Messerchen versuchen, sie herauszuholen und den Bereich nochmals überspritzen. Bei kleinen Staubeinschlüssen lieber trocknen lassen und danach beheben. Der Klarlack trocknet am besten über Nacht bei ca. 15-20°, oder im Ofen bei 60° Objekttemperatur innerhalb von 30min. Danach können alle Teile montiert und normal angefasst werden. Wichtig: Jeder Klarlack benötigt aber je nach Temperatur bis zu 6 Wochen, um endgültig und komplett durchzuhärten. Während dieser Zeit kann man das Auto normal benutzen, sollte allerdings noch auf Waschanlagen und die Teilnahme an der Rallye Paris-Dakar verzichten.
KS4a.10 Klarlack polieren
Nach dem Aushärten (d.h. nach ca. 12-20 Stunden je nach Temperatur) kann der Klarlack normal angefasst, Teile montiert und wenn nötig auch poliert werden. Je länger allerdings mit dem Polieren gewartet wird, desto härter ist der Klarlack. Wenn man also keine große Eile hat, ist es ideal, einige Tage zu warten, bis man sich an evtl. Staubeinschlüsse, Läufer, Orangenhaut oder matte Stellen etc. begibt. Diese kann man dann z.B. mit einer neuen Rasierklinge oder einem Lackhobel abschaben (Läufer, Staub-Einschlüsse), mit einem 1500er und dann 2000er Nasspapier auf einem Schleifklötzchen oder Schleifgummi vorsichtig abschleifen. Schleifpapier unbedingt etliche Stunden (am besten über Nacht) in Wasser einlegen, damit es weich und geschmeidig wird. Sehr praktisch sind hier auch die sogenannten "Schleifblüten" (bitte per email anfragen). Anschließend wird die bearbeitete Stelle dann mit Feinschleifpaste und einer Poliermaschine mit niedriger Drehzahl und etwas Wasser feingeschliffen und, wenn das Ergebnis stimmt, mit Maschinen- oder Handpolitur auf Hochglanz gebracht. Ebenso ist mit Spritznebel zu verfahren. Orangenhaut, narbige Struktur oder matte Stellen kann man auch etwas großflächiger mit 2000er Papier anschleifen, dann entweder eine weitere Lage Klarlack aufspritzen oder mit Feinschleifpaste und Politur auf Hochglanz bringen. Vorsicht beim Polieren an Ecken und Kanten, diese sind schnell mal durchpoliert, und dann muß man wieder beim Basislack anfangen.
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