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Armagnac - der edle und große Bruder des Cognac ! : eBay-Ratgeber

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Ratgeber wurde 4962 Mal aufgerufen Schlagwörter: Armagnac | Cognac | XO | Hors d'age | VSOP


     

Wissenswertes über Armagnac

Der Name Armagnac leitet sich ab von lat. aqua ardens, was so viel wie "brennendes Wasser" bedeutet. Armagnac ist die älteste bekannte französische Spirituose und kontrollierte Ursprungsbezeichnung gemäß der Europäischen Begriffsbestimmungen für Spirituosen. Name, Herkunft und Herstellungsverfahren sind durch die Appellation Contrôlée gesetzlich geregelt. Der Weinbrand wird in der Gascogne im Südwesten Frankreichs hergestellt. Nach einer Verordnung von 1909 sind rund 15.000 ha Rebfläche in den Départements Gers, Landes und Lot-et-Garonne liegende Bereiche zur Armagnac-Herstellung zugelassen. Als Traubensorte werden die weissen Traubensorten Colombard, Folle Blache und Ugni Blanc verwendet, die dort auf ton- und kieselhaltigem Boden wachsen. Im Unterschied zu Cognac wird Armagnac in einem kontinuierlichen Brennverfahren einmal destilliert, also nicht rektifiziert. Anschließend erfolgt für 3-20 Jahre die Lagerung in Eichenholzfässern. Je länger die Lagerung, desto höher die Qualitätsstufe. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 40 vol.%.

Geschichte

Der Armagnac wird oft als der kleine Bruder des berühmteren Cognacs bezeichnet, womit man ihm aber nicht gerecht wird. Während die Cognac-Herstellung nur in das 17. Jahrhundert zurückreicht, wurde das Brennen von Armagnac bereits 1461 urkundlich erwähnt - das Jahr, in dem im Département Landes eine Brennerei zu seiner Erzeugung genehmigt wurde (die entsprechende Urkunde befindet sich heute im Musée de l' Armagnac in Condom). Für diese frühe Kultur der Branntweinherstellung waren drei Kulturkreise verantwortlich: die Römer mit ihren Weinbaukenntnissen, die Gallier mit ihrer Handwerkskunst der Fassherstellung und die Mauren mit der Destillationstechnik. Zu dieser Zeit wurde Armagnac noch als Medizin verwendet und hauptsächlich schmerzlindernd und desinfizierend eingesetzt. Nach den Landsknechten im Mittelalter trugen später die Handelsbeziehungen zu den Niederlanden zur Bekanntmachung des Armagnacs wesentlich bei. Als der Weintransport auf der Garonne beschränkt und ein Weinumschlagsverbot in Bordeaux erlassen wurde, wurden die Weine aus der Gascogne destilliert, um sie lagerfähig zu machen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Brenntechnik verbessert und der Armagnac-Handel brachte Wohlstand in die Region. Im Gegensatz zum Cognac sind beim Armagnac Angaben des Jahrgangs üblich, daneben kommen aber auch Verschnitte auf den Markt. Armagnac darf nach einer Verordnung aus dem Jahre 1909 nur in drei Regionen hergestellt werden: Bas-Armagnac, Ténarèze und Haut-Armagnac. Der Name, die Herkunft und die Herstellung sind durch die "Appellation Contrôlée" gesetzlich geregelt.  

Anbau und Herstellungsprozess

Grundlage für Armagnac sind Weißweine, die in erster Linie aus den Rebsorten Colombard, Ugni Blanc und Folle Blanche gekeltert werden. Insgesamt sind elf Rebsorten zugelassen. Dem Brennwein dürfen Aromastoffe wie Pflaumen, Kräuter oder Haselnüsse beigemengt werden. Die drei Anbaugebiete heißen Bas-Armagnac, Haut-Armagnac und Ténarèze, wobei die Bezeichnungen "bas" (franz. für niedrig) und "haut" (franz. für hoch) aber nichts mit der Qualität des Produkts, sondern nur mit der Lage des Gebiets zu tun haben. So liefert im Gegenteil das Gebiet das Bas-Armagnac einen besseren Branntwein als des Haut-Armagnac, das daher in der Produktion mittlerweile kaum mehr eine Rolle spielt. Die Spitzenlagen des Bas-Armagnac werden Grand Bas genannt. Die Rebstöcke müssen ein Alter von fünf Jahren erreicht haben, ehe ihre Trauben erstmals verwendet werden dürfen. Der Grundwein wird nach traditionellen Regeln zubereitet und nach dem Keltern in den typischen Gascogner Fässern aus „schwarzer Eiche“  von etwa 440 Liter Inhalt abgefüllt. Weder Schwefeldioxid noch Zucker darf zugefügt werden, während des Gärungsprozesses ist auch ein Umfüllen verboten. Für die Fertigung der Holzfässer aus den Steineiche der Gascogne wird das Holz sechs Jahre lang gelagert, bevor es verarbeitet wird. Im Gegensatz zu den oft uralten Cognac-Fässern, die immer wieder neu eingesetzt werden, benutzt man für den Armagnac für jede Ernte neue Fässer. Das Holz der örtlichen Steineiche verleiht dem Branntwein sein unverwechselbares Bukett und seine typische Bernsteinfarbe. Der Wein wird in kupfernen Brennblasen nach dem kontinuierlichen Verfahren nur einmal gebrannt. Hierin besteht der Unterschied zum Cognac, der nach charenteser Methode in einer geschlossenen Brennblase zweimal gebrannt wird. Destilliert wird traditionell nach dem kontinuierlichen Verfahren, aber seit 1972 ist auch die zweifache Destillation nach dem Alambic-Verfahren gestattet. Während der Lagerzeit - mindestens zwei bis höchstens 40 Jahre, wobei die ersten fünf Jahre kontrolliert werden -, ersetzt man den Schwund durch eine Mischung aus destilliertem Wasser und schwachem Armagnac, bis die Trinkstärke erreicht ist. Sobald der Armagnac das richtige Alter - mindestens ein Jahr, in der Regel sechs bis acht Jahre - erreicht hat, wird er in die traditionelle bauchige Flasche mit dem langen Hals abgefüllt. Nach der Abfüllung verändert sich Armagnac nicht mehr, der Reifeprozess endet zu diesem Zeitpunkt.

Prestigeprobleme

Die hohe Qualität, die handwerklich einwandfreie Herstellung, die strenge Reglementierung, der Export in immerhin 132 Länder und die im Gegensatz zu Cognac deutliche geringere Produktionsmenge würden den Armagnac eigentlich zu einem begehrten Luxusprodukt prädistinieren, tatsächlich aber wird er von Verbrauchern oft fälschlicherweise als "kleiner" oder "schlechterer Cognac" angesehen.

Klassifizierung und Bezeichnungen

Je nach Alter unterscheidet man wie beim Cognac "Drei Sterne", "V.S.O.P." und "Napoléon" sowie die vom Calvados bekannte Klassifizierung als "Hors d'Age". Gebräuchlich ist weiterhin "Millésime" für einzelne Jahrgänge. Überwiegend wird Armagnac als Sorten- und Jahrgangsverschnitt angeboten. Nur in wenigen Häusern kommen auch sortenreine Brände auf die Flasche. Steht auf einer Flasche die Bezeichnung "Bas-Armagnac" enthält sie nur erstklassige Gewächse ohne jeglichen Gebietsverschnitt. Eine Flasche mit der Bezeichnung "Appellation Armagnac" deutet hingegen darauf hin, dass der Inhalt aus Bränden von Ténarèze und dem Haut-Armagnac oder aus allen drei Appellationen bestehen kann. Relativ selten ist der Jahrgangs-Armagnac. Die Jahrgangsbezeichnungen beim Armagnac weisen auf den Jahrgang der Grundweine hin. Bei Verschnitten bedeutet die Angabe des Jahrgangs das Alter des jüngsten Weines, über die Dauer der Fasslagerung sagt ein Etikett allerdings nichts aus.

*** bis ****: mindestens ein bis drei Jahre gelagert
V.S (Very Special), Sélection, De Luxe: mindestens drei Jahre gelagert 
Supérieur, Première Choix, Grande Sélection: mindestens vier Jahre gelagert 
V.O (Very Old), V.S.O.P. (Very Superior Old Pale), Réserve, Grande Fine: mindestens fünf Jahre gelagert 
Extra, Napoléon, Vieille Réserve, Hors d' Age, X. O. (Extremely Old): über fünf Jahre gelagert  

Gesetzliche Überwachung

Name, Herkunft und Herstellungsverfahren sind gesetzlich geregelt durch die Appellation Contrôlée geregelt. Die strenge Kontrolle unterliegt dem "Bureau National Interprofessionnel de l'Armagnac" B.N.I.A.

Appellation Armagnac Contrôlée: Verschnitt von Destillaten aus mindestens zwei - oft sogar drei - Armagnac-Regionen.  

Jede der folgenden Herkunftsbezeichnungen setzt voraus, dass Wein und Destillat aus der einzelnen Region stammen: 

Haut-Armagnac - Appellation Haut-Armagnac Contrôlée 
Ténarèze - Appellation Ténarèze Contrôlée 
Bas-Armagnac - Appellation Bas-Armagnac Contrôlée

Lagerung und Genuß

Kellerkühl lagern, bei Zimmertemperatur (17 bis 20 Grad Celsius) geniessen und idealerweise in einem mittelgrossen Weinglas (Univerre, WOB-Cognac, Riedel Cognac und ähnliche) geniessen. Einmal geöffnet können Armagnacs über mehrere Monate genossen werden. Stehend aufbewahren.

Literatur

Charles Neal: Armagnac: The Definitive Guide to France's Premier Brandy. Wine Appreciation Guild, ISBN 1891267205 (englisch)

 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt über Armagnac (Reiseblatt, 15.5.2003, Seite R7)

 "Wie flüssiger Bernstein funkelt der Armagnac im Sonnenlicht. Ein durchdringendes Aroma von Backpflaumen steigt aus dem Glas, allmählich kommen auch Duftnoten von Feigen, Vanille, Kakao und Kaffee zum Vorschein. Beim ersten Schluck entfaltet sich ein Bukett aus delikaten Gewürzen, eingehüllt von einem leicht rauchigen Ton. Der feine Weinbrand aus der Gascogne offenbart sich als überschwengliches Aromakonzentrat - ein Resultat jahrhundertelanger Erfahrung durch Generationen von Winzern sowie der Geduld des Kellermeisters, der ihm die nötige Reife im Eichenfaß erlaubt, ohne dabei auf Konsumtrends oder schnellen Gewinn zu achten. Es ist ein Stück destillierte Zeit in der Flasche. In der Geschmacksfülle steht ein alter Armagnac auch dem besten Cognac in nichts nach. Dieser ist aufgrund des doppelten Destillationsvorgangs zwar schneller reif und etwas milder, verliert dadurch aber die Intensität des Aromas, das einen reifen Armagnac auszeichnet. Nicht zu bestreiten ist, daß aus der Region Armagnac der älteste Weinbrand Franreichs stammt. Während Cognac erst im siebzehnten Jahrhundert entstand, wurde der Armagnac schon im Jahr 1285 zum ersten Mal von einem Leibarzt des Papstes erwähnt: als Elixier gegen das Altern, das deshalb lange Zeit in Apotheken verkauft wurde. Die Käufer von Armagnac sind Liebhaber von Raritäten, die es weder bei Großhändlern noch in Supermärkten gibt und die auch nur selten in Spezialgeschäften für Wein und Spirituosen erhältlich sind."

 

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Hors d'Age  - eine Mischung von verschiedenen 12 Jahre alten Bränden, mit einem grossen Anteil der Rebsorten Baco und Collombard verleihen einem großen Armagnac einen leicht rustikalen Charakter. Dies ist ein authentischer Armagnac, ein Armagnac für den Kenner.
 
XO  - eine Mischung von verschiedenen mindestens 12 Jahre alten Bränden, einige davon älter als 15 Jahre. Die Rebsorten Folle Blanche und Uni Blanc spielen hier eine wichtige Rolle und bringen eine wohl abgestimmte Milde und Tiefe.
 
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Ratgeber-Nr.: 10000000002120446Ratgeber erstellt am: 13.10.06 (aktualisiert 02.01.10)

 
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