Norddeutscher Postbezirk – Okkupationsgebiete (Elsass-Lothringen) Nachdrucke und Fälschungen sicher und einfach selbst erkennen!
Zum Namen des Gebietes: Im Michelkatalog steht nun, politisch korrekt, Norddeutscher Bund, Okkupationsgebiete. Früher hieß es Norddeutscher Postbezirk, Elsass-Lothringen. Der Norddeutsche Bund ist der politische Überbau, der Postbezirk das räumliche Gebiet in dem die Marken gültig waren. Also deshalb politisch korrekt: Norddeutscher Bund. Im deutsch-französischen Krieg 1870 wurden Teile Frankreichs von deutschen Truppen besetzt. Das war überwiegend in Elsass-Lothringen, aber nicht ausschließlich. Deshalb ist besetzte Gebiete, oder wie es auf Neudeutsch korrekt heißt, Okkupationsgebiete korrekt.
Mit diesem Wissen, fällt uns die Nachdruckerkennung sicher noch leichter. Oft liest man im Zusammenhang mit diesen Briefmarken das Wort Neudruck. Nach gängiger Verwendung dieser Bezeichnung, ist damit ein Druck gemeint, der vom originalen Material, den Druckstöcken, dem Urstein oder wovon auch immer, hergestellt wurde. Bei den hier beschriebenen Briefmarken wurden jedoch die Typen, also die Buchstaben selbst, aus neuen Lettern gesetzt. Damit handelt es sich nur um Nachahmungen, Nachdrucke oder schlicht Fälschungen. Auch wenn diese sehr alt sind und auch Teile der Originale Verwendung fanden.
Kommen wir zur Erkennung dieser Nachdrucke. In vielen Katalogen finden sich Hinweise, wie man Nachdrucke = Fälschungen, sicher erkennen können soll. Oft sind diese Hinweise schwer verständlich und führen zu keinem sicheren Ergebnis. Im Michelkatalog ist ein Beispiel mit einer Diagonalen, die irgendwo das P schneiden soll, angeführt. Die Diagonale schneidet das P immer irgendwo. Deshalb dieser Ratgeber.
Es gibt vier einfache Kennzeichen. Jedes für sich, reicht bereits theoretisch aus, zu einem sicheren Ergebnis zu kommen. Durch die Kombination der Merkmal kommen wir zu einem sicheren Ergebnis. Es sind dies:
- die Länge des Wortes POSTES (Echt: 11 mm -12 ½ mm, Falsch 12 ½ mm – 13 mm)
- der Abstand des Wortes POSTES zum linken Rand (Echt: 3 mm – 3 ½ mm, Falsch unter 2,8 mm)
- die Höhe des Markenbildes (Echt: größer 21,40 mm)
- die Zähnung (senkrecht echt: 14 ¼, falsch 14 ½). Details siehe unten.
Betrachten wir aber zunächst den Unterdruck, das Netz. Mit diesen 50-50 Joker können wir schon eine gute Vorauswahl treffen. Es kommt mit Spitzen nach oben und nach unten vor.
Auf dem Bild oben, sehen wir den normalen Unterdruck, mit Spitzen nach oben. Alle Marken mit Spitzen nach oben, sind Originale und nicht die allgegenwärtigen Nachdrucke. Ganzfälschungen sind da noch ein weiteres Thema. Die häufigen Nachdrucke, haben allesamt den Netzunterdruck mit Spitzen nach unten.
Spitzen nach oben, wie hier abgebildet, sind Originale, echte Briefmarken. Bei Spitzen nach unten, müssen wir die bereits oben erwähnten, einfachen Methoden zur sicheren Erkennung anwenden.
Dazu brauchen wir Handwerkszeug. Einen Zähnungsschlüssel, der wenig bis nichts kostet und eine Messlupe, zur Not ein kleines Lineal, mit dem man einen halben Millimeter nachmessen kann. Perfekt ist ein Computer mit moderem Scanner und das Michel Perfoskop Programm, mit dessen Hilfe die folgenden Bilder erstellt wurden.
Die grüne Marke ist ein Nachdruck. Die braune Marke ein Original. Beide sind in Type II, also Spitzen nach unten.
der Abstand des Wortes POSTES zum linken Rand (Echt: 3 mm – 3 ½ mm, Falsch unter 2,8 mm)
die Länge des Wortes POSTES (Echt: 11 mm -12 ½ mm, Falsch 12 ½ mm – 13 mm)
Die Zähnung, hier mit der Michelsoftware vermessen. Scanner Epson Perfection 4490 Photo, kalibriert. Es geht aber im Prinzip jeder modere Scanner. Ein Zähnungsschlüssel aus Papier oder Folie hilft aber auch schon weiter.
Die Messung der Höhe verläuft zwischen den farbigen Balken oben und unten:
Die gemessene Höhe ist hier im Beispiel 21,15 mm, schwankt jedoch leicht, wie alle Maße. Originale haben eine typische Höhe von 21,41 bis 21,45 mm, sind also deutlich höher.
Können Sie einen Wert nicht ermitteln reichen meist die anderen Werte. Kommen Sie zu widersprüchlichen Ergebnissen, senden Sie mir einen 600 DPI Scan der Briefmarke. Ich schreibe Ihnen die Emailadresse, wenn Sie mir eine Nachricht schicken. Rufen Sie mein Profil auf und klicken Sie dann den Button Mit Mitglied Kontakt aufnehmen.
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