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Powerseller Topseconds insolvent. Ein Millionenbetrug? : eBay-Ratgeber

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Ratgeber wurde 36663 Mal aufgerufen Schlagwörter: topseconds | Topseconds GmbH | 13 seconds GmbH | Homam Ghazi | Uhren Uhrenkauf


Letzte Aktualisierung: 12.01.09

Was ist passiert?

Am 4. Dezember 2008 sperrte eBay den Verkaufsaccount des Uhrenhändlers Topseconds GmbH aus Bonn. ( -> topseconds) In den beiden vorausgegangenen Wochen, hatte der Händler die Zahl seiner Auktionen mit Uhren bekannter Luxus-Modelabels massiv erhöht. Deshalb forderte die eBay-Sicherheitsabteilung Eigentums- und Echtheitsnachweise, die von Topseconds nicht in der gewünschten Form erbracht wurden. Seit Ende November war auch eine Zunahme der Kundenbeschwerden zu beobachten.

Zum aktuellen Zeitpunkt (18.12.08) kann man davon ausgehen, daß ca. 15.000 bis 20.000 Uhren im Wert von rund einer Millionen Euro noch nicht geliefert wurden. Entsprechend hoch ist die Zahl von verunsicherten Käufern, die in verschiedenen Foren nach Informationen suchen und sich zu Wort melden. Hier der Link zu einer -> Diskussion aus dem eBay-Sicherheitsforum, die in wenigen Tagen auf 250.000(!) Seitenzugriffe und 6.000 Postings kam. (Link braucht einige Sekunden für den Seitenaufbau.) Dort gibt es viele weitere Informationen über die komplexen Hintergründe. Weitere Beiträge aus verschidenen anderen Foren findet man über Google.

Topseconds hat in großen Mengen Uhren bei eBay als verfügbar angeboten und damit tausende vorauszahlende Käufer getäuscht. Die Firma besaß die angebotene Ware nicht. Inzwischen ist nicht mehr von einer Lieferung auszugehen. Nun fragt sich, wo die ca. eine Millionen Euro Vorauszahlungen der letzten Wochen geblieben sind.

Dieser Ratgeber soll wichtige Informationen für Kunden zusammenfassen. Er wird regelmäßig überarbeitet und der Entwicklung angepasst.

 

Update 12.01.09 - Undurchsichtige Entschädigungspolitik von  eBay. Geld für betroffene Kunden?

Inzwischen liegen mir diverse Berichte aus den Foren und per Mail vor, in denen Kunden über beachtliche (Teil-)Entschädigung durch eBay berichten. Ein Kunde schrieb mir z.B. von eine Kulanzleistung in Höhe von 250 Euro, die eBay zugesagt habe. Möglicherweise werden besonders aktive Käufer oder Nutzer mit vielen Bewertungen bzw. langer Mitgliedsdauer bevorzugt. Hier mal das Posting eines "Glücklichen" aus dem Sicherheitsforum. (Posting #7992; Link kann Aufbauzeit haben):

Link zu Posting 7992 / Diskussion zu Topseconds

Übrigens: Bis Februar 2008 hätte es für alle Geschädigten von Topseconds noch den Käuferschutz von eBay gegeben. Gezahlt wurden bis zu 175 Euro. Den Käuferschutz hat eBay allerdings abgeschafft um die Nutzung des eigenen Zahldienstes PayPal zu fördern, der weiterhin (kulanzweise) Käuferschutz anbietet.

 

Update 18.12.08 - Topseconds ist insolvent! Mitteilung des Amtsgerichts Bonn:


"Amtsgericht Bonn, Aktenzeichen: 98 IN 275/08

In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen

der im Handelsregister des Amtsgerichts Bonn unter HRB 13374 eingetragenen
topseconds GmbH, Broichstraße 79, 53227 Bonn, gesetzlich vertreten durch den
Geschäftsführer Kawa Homam-Ghazi, Broichstraße 79, 53227 Bonn

Geschäftszweig: Der Im- und Export sowie der Handel mit Uhren, Textilien,
elektrischen Geräten, Baumaschinen, Möbeln sowie Autoteilen.

ist am 17.12.2008, um 10:16 Uhr angeordnet worden (§§ 21, 22 InsO):

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dirk Obermüller,
Godesberger Allee 125-127, 53175 Bonn bestellt.

Verfügungen der Schuldnerin über Gegenstände ihres Vermögens sind nur noch mit
Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam (§ 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO).

Den Schuldnern der Schuldnerin (Drittschuldnern) wird verboten, an die
Schuldnerin zu zahlen. Der vorläufige Insolvenzverwalter wird ermächtigt,
Bankguthaben und sonstige Forderungen der Schuldnerin einzuziehen sowie
eingehende Gelder entgegenzunehmen. Die Drittschuldner werden aufgefordert,
nur noch unter Beachtung dieser Anordnung zu leisten (§ 23 Abs. 1 Satz 3
InsO).

Maßnahmen der Zwangsvollstreckung einschließlich der Vollziehung eines
Arrests oder einer einstweiligen Verfügung gegen die Schuldnerin werden
untersagt, soweit nicht unbewegliche Gegenstände betroffen sind; bereits
begonnene Maßnahmen werden einstweilen eingestellt (§ 21 Abs. 2 Nr. 3 InsO).
 
98 IN 275/08
Amtsgericht Bonn, 17.12.2008"

Quelle: insolvenzbekanntmachungen.de (Bundesland: NRW / AG Bonn)

Die Daten der Kanzlei:

DHPG Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer

DHPG RAe - WP - StB
Godesberger Allee 125-127
53175 Bonn
Deutschland
Telefon: +49-228-8100045
Telefax: +49-228-8100020

Im Rahmen des aktuelle Insolvenzeröffnungsverfahren ist noch keine Anmeldung von Forderungen möglich. Betroffene können sich aber per Mail (bitte nicht telefonisch) an die Kanzlei wenden und sich schon einmal auf die Liste derjenigen eintragen lassen, die im Hauptverfahren ein Anmeldeformular bekommen. Vermutlich ist ab Mitte/Ende Januar 2009 auch eine online-Anmeldung möglich, soweit das Hauptverfahren nicht mangels Masse abgewiesen wird. Als Betreff in der Mail "Topseconds" eingeben. Hier die Mailadresse der Kanzlei: 

rae-bonn(at)dhpg.de

Hinweis: Bitte beachten sie den Absatz "Was passiert bei einer Insolvenz", der in diesem Ratgeber weiter unten zu finden ist. Unabhängig von dem Insolvenz(eröffnungs)verfahren sollten Geschädigte die Möglichkeit nutzen, gegen die Verantwortlichen eine Anzeige zu erstatten. Diese richte sich ja nicht gegen die GmbH, sondern die Personen, die die Schädigung verursacht haben.

 

.......... Update 16.12.08: Keine Uhren beim GLS-Paketdienst - Anzeige Online erstatten! ...........

Der 15. Dezember war ein wichtiger Stichtag. Angeblich sollen am Montag tausende Pakete mit Uhren von Topseconds im Bornheimer Depot des Paketdienstes GLS angeliefert werden. So hatte es Topseconds dem Paketversender Anfang Dezember angekündigt. Viele Käufer hatten auf diesen Termin noch einige Hoffnung gesetzt. Andere Auslieferungen hatte es seit dem 3. Dezember ja so gut wie nicht nicht gegeben und eine Kommunikation mit dem Händler war in den letzten Wochen nicht mehr möglich.

Eine Mitarbeiterin des Bornheimer GLS-Depot hat mir am 16.12.08 telefonisch bestätigt, daß keine Pakete von Topseconds angeliefert wurden und daß man nichts über neue Termine sagen könne. Gestern sei  auch die Polizei im Depot gewesen, um sich über die Lage zu informieren.

Tipp an alle Betroffenen:

Folgen sie der Empfehlung der Bonner Polizei und erstatten eine Online-Anzeige. So können sie ihre Interessen zu wahren. Bei Betrug richtet sich ihre Forderung nicht nur gegen die GmbH. Die für den Betrug Verantwortlichen haben dann auch persönlich dafür einzustehen. Den Link zur Onlineanzeige finden sie in diesem ->Blog .

Weiter unten in diesem Ratgeber finden sie eine Mitteilung der Bonner Polizei vom 8. Dezember.

Nützlich wäre eine weitere Stellungnahme der Polizei zum aktuellen Stand der Ermittlungen. Das Bedürfnis ist groß, denn potentielle Schadensfälle mit 10.000 Betroffenen sind ja etwas außergewöhnliches. Medienkontakte durch Betroffene wären nützlich, denn je größer das öffentliche Interesse, desto eher wird es auch Informationen von den Behörden geben.

 

.......... Update 12.12.08: Hausdurchsuchung bei Topseconds. ...........

Das folgende Posting eines Betroffenen wurde inzwischen durch einen Artikel des Kölner Express bestätigt.

sajka0221 (5)  0 x Gut!  12.12.2008 13:02 5065 von 5225 

"(...) War heute Morgen in Bonn-Beuel, hab da die Polizei angetroffen. Die haben
das ganze Büro leer geräumt. Computer etc. mit genommen. Wollte noch nach Rheinbach,
die haben aber gesagt lohnt sich nicht. Da ist auch die Polizei schon am leerräumen.
Auf die Frage was denn mit dem Verkäufer sei ...keine Auskunft, was mit meinem Geld
ist und ob die Hoffnung bestehe es wieder zu bekommen....könnte sein, machen sie
eine anzeige. Entweder ist die ganze Familie abgehauen oder sie sind alle samt bei
der Polizei. Hoffe das letztere. Mache jetzt meine Anzeige und werde nie wieder
Menschen die so nett am tel. sind blauäugig vertrauen."

Der Kölner Express formulierte am 15.12.08 so:

"(...) Polizeibeamte durchsuchten bereits die Geschäftsräume in Beuel, stellten
dabei Beweismittel wie Computer und Akten sicher. Staatsanwältin Monika
Volkhausen: „Unsere Ermittlungen wegen des Verdachts des Betrugs dauern an.“

Der direkte Link zu dem Zeitungsartikel findet sich in dem Eingangsbeitrag des folgenden -> Blogs.

 

Liegt ein Betrugsfall vor?

Diese Frage stellen sich viele Betroffene. Nachfolgend einige Fakten.

Die Topseconds GmbH (früher: 13 seconds GmbH) verkauft seit ca. 2 Jahren Uhren von Modelabels wie z.B. Dolce & Gabbana oder Armani bei eBay. Es wurden in dieser Zeit immerhin 43.000 Bewertungspunkte erreicht. Bis vor wenigen Tagen machte das -> Bewertungsprofil noch einen recht guten Eindruck. Die GmbH wird im Handelsregister Bonn geführt. Eine typische Scheinfirma ist das sicher nicht.

Zwischen Juli und Anfang November 2008 hat "topseconds" jeden Tag im Durchschnitt 100 Uhren verkauft. Am 21. November änderte sich die Angebotsmenge dramatisch Die Zahl der täglich verkauften Uhren stieg auf über 1.700  Allein in den letzten 14 Tagen vor der Sperrung wurden etwa 25.000 Uhren für 1,228 Millionen Euro über eBay per Vorkasse abgesetzt. Dazu kamen noch rund 175.000 Euro Versandkosten.*  Der Bewertungsrücklauf - ein Indikator für die Anzahl der ausgelieferten Artikel - erreichte in diesem 2-Wochenzeitraum nicht einmal 1.000 Punkte. Das entspricht etwa 1.800 gelieferten Artikeln.

*(Die Umsatzzahlen sind mit dem Analysetool baywotch.de erhoben worden. Dieses Programm greift mittels API-Schnittstelle auf zugängliche Datenbankbestände von eBay zurück. Zu Kontollzwecken habe ich die Artikellisten mit Microsoft Excel noch einmal überprüft.)

Die Uhren wurden in Auktionen ab einem Euro Startpreis eingestellt. Bei diesem Format bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Die mehr verfünfzehntfache(!) Einstellmenge drückte die Stückpreise erheblich. Kaufmännisch macht eine solche Überschwemmung des Marktes mit Ware kaum Sinn, weil man sich so die eigenen Preise ruiniert. Der durchschnittliche Erlös je Uhr (incl. Versand) sank von ca.69 Euro (Anfang November) auf 48 Euro in den ersten Dezembertagen. Uhren, die in normalen Handel üblicherweise 150 bis 200 Euro kosten, gab es bereits für 50 Euro. Die Preise waren so günstig, daß viele Käufer gleich mehrere Uhren gekauft haben und auch Wiederverkäufer zuschlugen.

Die negative Preisentwicklung kann man beispielhaft an dem nachfolgende Punkte-Diagramm ablesen. Dort wird der Preisverlauf bei dem Artikel "Armani Herrenuhr Ar4611 Meccanico" zwischen dem 7. November und dem 4. Dezember dokumentiert. (Jeder Punkt repräsentiert einen Kauf.) Insgesamt wurden 291 Stück verkauft. 30 Verkäufe lagen vor dem 22. November und 261 Verkäufe erfolgten danach. Von anfangs 120-180 Euro sanken die Stückerlöse auf 50-60 Euro. Bei anderen Uhren-Modellen sehen die Verläufe ganz ähnlich aus. (Einne bessere Auflösung des Diagramms findet sich in diesem -> Blog-Beitrag.)

 

 

Die im elektronischen Bundesanzeiger einsehbare Unternehmensbilanz der Topseconds GmbH wies in den Jahr 2006 und 2007 Verluste aus. Die Firma hatte über eine Millionen Euro Verbindlichkeiten und kein nennenswertes (ausgewiesenes) Eigenkapital mehr. Zudem hatte sich der Geschäftsführer/Gesellschafter ein größeres Darlehn aus der Firmenkasse genehmigt. Quelle (Link kopieren, ** gegen tt austauschen und "Topseconds-GmbH" in das Suchfeld eingeben.):

h**p://www.ebundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet

Anfang November 2008 gab es auch ein Wechsel des Geschäftsführers der Topseconds GmbH. In den eBay-Auktionen wurde aber bis in den Dezember noch der Name des alten Geschäftsführers Kurdo Homam-Ghazi - einem Bonner Studenten - angezeigt. Der neue Geschäftsführer scheint dem Namen nach Verwandtschaft zu sein.

Nach meiner persönlichen Einschätzung besteht das ernstzunehmende Risiko, daß kurz vor einer GmbH-Insolvenz noch einmal richtig Kasse gemacht wurde. Die Auktionen der letzten Wochen haben vermutlich deutlich über eine Millionen Euro in die Kasse gespült, ohne daß es (bisher) entsprechende Lieferungen gab. Bei den geringen Stückerlösen drängt sich zudem die Frage auf, ob ausschließlich Originalware angeboten wurde.

 

Die Mogelei von Topseconds mit der Lieferzeit.

Das aktuelle Problem wäre kleiner, wenn von "topseconds" die von den Käufern im voraus bezahlten Uhren zügig geliefert würden. Das ist aber nicht der Fall. Im Kleingedruckten der Auktionen hatte "topseconds" einen Hinweis auf Lieferzeiten versteckt. Die angegeben 10-12 Werktage sind bei leicht versendbaren Konsumartikeln aber nicht akzeptabel. Gerade bei eBay läßt sich die Einstellmenge täglich den Warenbeständen und der Lieferfähigkeit des eigenen Unternehmens optimal anpassen. Lange Lieferzeiten in Verbindung mit stark erhöhter Einstellmenge und Vorkassenverlangen gelten erfahrungsgemäß als hoch riskant. Aus gutem Grund verlangt die -> eBay-AGB in §9 Abs. 4: "Anbieter müssen in der Lage sein, die angebotenen Waren dem Käufer unverzüglich nach Vertragsschluss zu übereignen."  12 Werktage erfüllen diese Anforderung sicher nicht.

Viele Käufer haben die Ankündigung der langen Lieferzeit gar nicht wahrgenommen. Das wundert nicht, denn sie wurden vom Verkäufer regelrecht getäuscht. Im oberen Teil der Artikelbeschreibungen gab es eine Infobox mit der Überschrift "Versand". Dort war zu lesen: "Die Lieferung erfolgt in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Werktagen nach Zahlungseingang." Ein Hinweis auf längere Lieferzeiten fand man dort nicht.

Die Ankündigung der bis zu 12 Werktagen dauernden Lieferzeit war dagegen am unteren Rand der Artikelbeschreibung in einer Scrollbox untergebracht. Die Box hatte die Überschrift "Versandkosten/Abwicklung". Da der Kunde die Versandkosten aber bereits von eBay direkt im der Auktion eingeblendet bekommt, werden solche Scrollboxen oft nicht geöffnet. Der Kunde glaubte zudem, die Lieferzeit schon zu kennen.


Nachfolgend der (versteckte) Ankündigungstext als Screenshot, der übrigens am Ende einer längeren Textpassage zu finden war:

 

   

      

In den Foren berichteten Betroffene von ihren Gesprächen mit dem Logistiker GLS. Demnach wurden Abholtermine für Pakete durch Topseconds weit nach hinten verlegt. Tausende Kunden bekamen zwar GLS-Sendungsnmmern, aber die Pakete sind bisher nicht im Versand. Angeblich soll der Händler dem GLS-Depot für den 15. Dezember die Versendung einer größeren Paketmenge angekündigt haben.

 

Berichte aus den Medien zu Topseconds

Eine Auswahl aus Medienberichten zu Topseconds habe ich in dem folgenden -> Blog-Beitrag verlinkt.

 

Stellungnahme von Topseconds / Herrn Kawa Homam Ghazi  vom 7. Dezember im eBay-Forum Sicherheit.

Mit dem nicht gesperrten Zweitaccount "gesehen-geboten-gewonnen" hat Topseconds eine Stellungnahme im eBay-Sicherheitsforum abgegeben. Der Geschäftsführer schildert die Hintergründe der Sperrung aus seiner Sicht. Zur Sperrung bei eBay wäre es gekommen, weil man einer Frist von eBay nicht nachgekommen sei, Rechnungen als Echtheitsbeleg für die Uhren vorzulegen. Konkrete Aussagen über die die Auslieferungen der bezahlten Uhren machte Topseconds nicht. Hier das Posting #2341 von 23.22 Uhr. (Achtung, der Link braucht etwas Aufbauzeit):

Posting von Topseconds im Sicherheitsforum 

Einige Postings später (#2351) führte Herr Ghazi aus - Zitat: "aus welchen grund solte ich meine einkaufsrechnung preis geben"

Als Platin-Powerseller der Produkte von Luxus-Labeln verkauft, sollten Topseconds eigentlich wissen, warum für eBay Eigentums- und Echtheitsnachweise wichtig sind. Wenn eBay keine ausreichenden Schutzmaßnahmen gegen den Verkauf von möglichen Fälschungen trifft, droht eine teuere Mithaftung. Im Sommer 2008 wurde eBay vom Pariser Handelsgericht verurteilt, 40 Millionen Euro Schadenersatz an den Luxus-Konzern LVMH zu zahlen. Hier ein Spiegel-Artikel als Juni 2008. (** gegen tt austauschen):

h**p://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563024,00.html

Zudem liegt es bei einer so massiven Umsatzsteigerung im Interesse der vorauszahlenden Käufer, wenn die Sicherheitsabteilung von eBay sich ein Bild macht, ob die angebotene Ware auch vorhanden ist.

 

Die wichtigsten (Kontakt)Daten zu den Auktionen.

Mit der Sperrrung eines Accounts löscht eBay leider auch alle Artikelbeschreibungen. Ein Kaufnachweis, den Sie als Kunde noch haben sollten, ist die Mail, die eBay ihnen direkt nach dem Kauf geschickt hat. Sie haben aber die Möglichkeit, eine Kopie der Artikelbeschreibung (nur html) bei eBay anzufordern.

Folgende rechtliche Informationen des Anbieters fand sich Anfang Dezember 2008 in den Artikelbeschreibungen von "topseconds" bei eBay:
 
13 Seconds GmbH
Kurdo Homam-Ghazi
kleine Heeg 31
53359 Rheinbach
Deutschland
  Telefon: 0228|92689744
E-Mail: ebay(at)13seconds.de

Als Adresse in der Widerrufsbelehrung fand man folgende Angabe:
 
Topseconds GmbH
Broichstr. 79
53227 Bonn
E-Mail: ebay(at)13seconds.de
Fax: 0228 92689743

Bei der 13 seconds GmbH und der Topseconds GmbH handelt es sich offensichtlich um eine Firma. Im November 2008 wurde ein Wechsel des Geschäftsführers und des Firmennamens mitgeteilt. Nachfolgend die aktuellste Bekanntmachung des Amtsgreichts Bonn, Aktenzeichen: HRB 13374, 03.11.2008:

"13 seconds GmbH, Rheinbach, (Broichstraße 79, 53227 Bonn).Die Gesellschafterversammlung vom
12.08.2008 hat eine Änderung des Gesellschaftsvertrages in § 1 (Firma undSitz) und mit ihr die
Änderung der Firma und die Sitzverlegung nach Bonn beschlossen. Neue Firma: topseconds GmbH.
Ausgeschieden: Geschäftsführer: Homam-Ghazi, Kurdo, Meckenheim, *xx.xx.1982. Bestellt zum
Geschäftsführer: Homam-Ghazi, Kawa, Rheinbach, *xx.xx.1984, einzelvertretungsberechtigt mit der
Befugnis im Namen der Gesellschaft mit sich im eigenen Namen oder als Vertreter eines Dritten
Rechtsgeschäfte abzuschließen."

Quelle: handelsregisterbekanntmachungen.de

 

Keine Vertragserfüllung des Verkäufers trotz Vorkasse?

(In Anbetracht des inzwischen eingeleiteten Insolvenzverfahrens sind die Ratschläge für Mahnungen weitgehend entbehrlich. Der Insolvenzverwalter wird die Kunden voraussichtlich im Januar auffordern, ihre Forderungen anzumelden. Das geht auch auch ohne Anwalt. Alle angemeldeten Forderungen und vom Verwalter bestätigten Forderungen nehmen dann am Insolvenzverfahren teil.)

Strafanzeigen ersetzen nicht das (zivilrechtliche) Mahnvervahren. Bei ausbleibender Lieferung bzw. Rückerstattungen des Kaufpreises sollten Kunden nicht untätig bleiben. Eine Mahnung und ein dann folgender ein Kaufrücktritt ist der richtige Weg. In eine Mahnung gehört immer eine Fristsetzung und die Ankündigung weiterer Schritte rein.

Zu dem Thema Mahnungen hat die Anwaltsseite "internetrecht-rostock.de" gute und lesenswerte Informationen zusammengestellt. 

h**p://www.internetrecht-rostock.de/vorkasse-keine-lieferung.htm

(Da eBay in den Ratgebern keine Links auf Fremdseiten erlaubt, bitte den Link kopieren und die ** gegen tt tauschen.)

Für die Kommunikation mit dem Verkäufer kann man bis 60 Tage nach dem Kauf das eBay-Formular "Unstimmigkeiten online klären" nutzen. (Das ersetzt aber keine Mahnung per Post oder Fax.)  So bekommt auch eBay mit, wie viele Käufer eigentlich betroffen sind. Infos finden sie über diesen eBay-Link:

http://pages.ebay.de/help/tp/inr-snad-process.html

 

Was passiert bei einer Insolvenz?

Inzwischen gibt es eine gerichtliche Mitteilung über die Insolvenz von der Topseconds GmbH. Siehe oben.

Im Insolvenzverfahren übernimmt ein vom Gericht eingesetzter Verwalter alle Vermögenswerte der GmbH. Darlehn, die z.B. die Gesellschafter aus der GmbH erhalten hat, wird der Insolvenzverwalter zurückfordern. Er wird auch prüfen, ob unzulässig Geld aus der Firma abgezweigt wurde.

Dem Insolvenzverfahren wird oft ein sogenanntes Insolvenzeröffnungsverfahren vorgeschaltet. In dieser Phase macht sich der Verwalter ein Bild über die verfügbare Masse (Vermögenswerte) und die Schulden des Unternehmens. Darüber fertigt er ein Gutachten. Reicht die Masse zur Deckung der Verfahrenskosten, wird das Verfahren durchgeführt. Ansonsten kann das Verfahren mangels Masse abgewiesen werden.

Im Insolvenzverfahren (Hauptverfahren) können Geschädigte (Gläubiger) beim Verwalter ihre Forderungen anmelden. (Häufig geht das auch bequem online.) Wenn die Buchhaltung des Schuldners stimmt, werden sie auch direkt angeschrieben. Im Laufe des Verfahrens werden dann die Gläubiger aus der noch vorhandenen Masse anteilig entschädigt. Wurde der GmbH unzulässig Geld oder Sachwerte entzogen, dann wird der Insolvenzverwalter auch mit rechtlichen Mitteln versuchen, dieses Geld von den Schädigern wieder einzufordern.

Im Insolvenzverfahren spielt es keine Rolle, ob der Geschädigte vorher ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet hat oder nicht. Die Forderungen werden gleichwertig behandelt. Kurz vor einer Insolvenz sollte man abwägen, ob die Ausgaben für ein gerichtliches Mahnverfahren noch eine lohnende Investition sind.

Ist für bestimmte Forderungen gegen die GmbH ein strafbare Handlung belegbar (z.B. Betrug, betrügerischer Bakrott), dann muß der Geschäftsführer auch mit seinem privaten Vermögen haften. Im Einzelfall wäre zu prüfen, ob man als Geschädigter den Geschäftsführer belangen kann. Allein aus diesem Grund manchen Strafanzeigen Sinn.

 

Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!

Die Hinweise auf Betrug verdichten sich jeden Tag mehr. Topseconds hat die vorauszahlende Käufer getäuscht, denn die bei eBay angebotene Ware war nicht verfügbar. Eine Kommunikation mit dem Verkäufer scheint nicht mehr möglich.

Da das Risiko besteht, daß der Verkäufer sich mit den Vorauszahlungen absetzt (abgesetzt hat), machen zügige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Sinn. Sie kann z.B. die Sicherstellung von Vermögenswerten und Konten anordnen lassen. 

Hier eine Mitteilung der Bonner Polizei vom 8. Dezember:

"Ermittlungsverfahren gegen Online-Anbieter von Armbanduhren

Geschädigte sollten online Anzeigen erstatten

Seit dem 04.12.2008 ermittelt die Bonner Polizei gegen eine Firma mit Sitz in Bonn, die über ein
Online-Auktionsportal Uhren angeboten hat. Dabei handelte es sich vornehmlich um Uhren der Marken
"Armani" und "Dolce & Gabbana".

Offenbar kam es dabei zu Unregelmäßigkeiten. Die Ware wurde nicht im Rahmen der angegebenen
Lieferfrist ausgeliefert. Daraufhin gingen bei der Bonner Polizei eine Vielzahl von Anzeigen und
Anrufen ein, da sich die Käufer betrogen fühlten.

In enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Bonn wurde daraufhin ein Ermittlungsverfahren
wegen Verdacht des Betruges eingeleitet. Dazu der Erste Kriminalhauptkommissar Klaus Schumacher:
"Die Anzeigen werden sehr ernst genommen und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Ob
tatsächlich ein betrügerisches Handeln vorliegt, kann noch nicht abschließend gesagt werden."

Online-Anzeigen werden von der Polizei Bonn bearbeitet

Die Ermittler der Polizei bitten Käufer, die glauben betrogen worden zu sein, sich an ihre
örtliche Polizeidienststelle zu wenden und dort Anzeige zu erstatten. Die Anzeigen werden von
dort an die zuständige Polizei in Bonn weitergeleitet.

Alternativ können Geschädigte auch online eine Anzeige bei der Bonner Polizei erstatten. Die
entsprechende Internetseite finden hier: Link zur Online-Anzeige der Polizei Nordrhein-Westfalen

Für dringende Fälle hat die Bonner Polizei eine Hotline unter der Telefonnummer 0228  15- 7979
eingerichtet, die arbeitstäglich in der Zeit von 08.30 – 15.30 Uhr besetzt ist.

Die Bonner Polizei bittet um Verständnis dafür, dass derzeit keine darüber hinausgehende
Auskünfte zum Stand der Ermittlungen erteilt werden können.
"

Quelle (Link kopieren und ** gegen tt austauschen):

h**p://www.polizei-nrw.de/bonn/Start/Aktuelle Themen/kriminalitaet/article/internetbetrug-mit-armani-uhren.html

Eine Strafanzeige erstattet man bei seiner örtlichen Polizei. Gute Infos zur Strafanzeige findet man auf der folgenden Mich-Seite:

http://cgi3.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewUserPage&userid=polizei-anzeige


Den eigenen Fall öffentlich machen; Fragen stellen?

Sie können in einen eBay-Ratgeber über ihre eigenen Erfahrungen schreiben oder in den -> eBay-Foren (Community) diskutieren und Fragen stellen. Einloggen ist dort mit dem eBay-Namen möglich. Sollte es bei Topseconds zu einem Schadenfall kommen, macht es durchaus Sinn, sich an die Medien zu wenden. Der eine oder andere Pressevertreter könnte die Geschichte aufgreifen und intensiver recherchieren, als das Geschädigten möglich ist.

Ich selbst bin leider nicht in der Lage, Einzelfragen per Mail zu beantworten. Allen Käufern drücke ich die Daumen, daß die Angelegenheit ein gutes Ende nimmt.


Ratgeber-Nr.: 10000000009643652Ratgeber erstellt am: 06.12.08 (aktualisiert 24.08.11)

 
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