Schwalbe - für wen?
Leute, die ein kultiges, formschönes und preiswertes Moped suchen, sind mit einer Schwalbe bestens beraten. Sie kostet nur 50-70 euro Versicherung pro Jahr, verbraucht 2,5 - 3 Liter/100km, ein TÜV ist nicht nötig, und ein weiterer Vorzug: Sie erreicht offiziell zulässige 60 km/h und darf dennoch mit der normalen Autofahrerlaubnis gefahren werden, ein extra Motorradführerschein ist trotz der 60 km/h NICHT erforderlich! (DDR-Mopeds erhielten zur Wende eine Ausnahmegenehmigung und gehören der Klasse M an, die eigentlich auf 45 km/h begrenzt ist). Mit einer Schwalbe schwimmt man also gut im Stadtverkehr mit und muss sich nicht wie ein Verkehrshindernis fühlen, wie es bei den modernen 45 km/h - Roller der Fall ist.
Die Schwalbe ist auch genau das richtige Moped für Leute, die ein Fortbewegungsmittel brauchen, das man weitgehend selbst pflegen und preiswert reparieren kann. Ersatzteile sind dank zahlreicher Nachfertigungen und eines von MZA neu etablierten Händlernetzes genügend vorhanden und preiswert. Wer den Pflegeplan einigermaßen einhält, wird mit seiner Schwalbe aber nie großen Ärger haben!
Für alle, die auch Landstraßen oder oft auf unbefestigten Wegen fahren, kommt ein moderner Stadtroller nicht in Frage. Die Schwalbe meistert mit ihren großen Rädern und dem Schwingenfahrwerk auch schlechte Straßen, und mit den 60 km/h kann man auch mal eine etwas längere Fahrt unternehmen. Wer jedoch ständig längere Strecken fährt, ist mit einem größeren Motorroller, z.B. Vespa 125, besser beraten. Die Schwalbe gibt es (leider) nur mit 50 ccm.Zu DDR-Zeiten war die Schwalbe vor allem wegen des guten Wetterschutzes begehrt und wurde eher von Erwachsenen gefahren. Der Jugend war Schwalbe damals zu bider, sie bevorzugte die Mokickmodelle Star, Habicht und später S50/S51. Nach der Wende wurde die Schwalbe vom Wessi als Kultmoped entdeckt, sodass sie auch unter Jugendlichen und in Westdeutschland Verbreitung fand, oft mit bunten Farben aufgepeppt. Seit einigen Jahren steht jedoch wieder die originale, bidere Optik hoch im Kurs. Da es Schwalben mittlerweile nicht mehr an jeder Ecke gibt, werden sie auch unter Liebhabern und Sammlern immer begehrter.
Was ist eine Schwalbe?
Die Simson Schwalbe ist ein Kleinroller, der zu DDR - Zeiten in Suhl (Thüringen) im "VEB Geräte- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl" hergestellt wurde. Da die meisten Fahrzeuge im Inland blieben, kann man sich bildhaft vorstellen, wie über 1 Million gebaute Schwalben den kleinen 17 - Millionen - Einwohnerstaat DDR bevölkerten. Da das Grundkonzept der Schwalbe auf die späten 50er Jahre zurückgeht, wirkt sie heute wie aus einer anderen Zeit und hat entsprechend Kultfaktor. Man könnte sie als die Vespa des Ostens bezeichnen. Mit ihrem Beinschild bietet sie besten Schmutz- und Regenschutz, fährt sich jedoch sportlicher als ein Roller. Im Prinzip ist die Schwalbe ein blechverkleidetes Mokick, denn sie hat den Motor vorn, keinen tiefen Durchstieg und der Motor ist für Rollerverhältnisse ziemlich ruppig. Der Charakter der Schwalbe ist daher nicht ganz so feminin wie der einer Vespa, sondern eher robust und vielseitig.Welche Vorteile bietet die Schwalbe?
- robuste und universell einsetzbar (im Vergleich zu Vespa und modernen Stadtrollern)- formschönes, kultiges Äußeres. Statt klobiger Plasteteile ein graziles Blechkleid
- reichhaltige elektrische Ausstattung (--> Sicherheit!)
- Höchstgeschwindigkeit: >60km/h (moderne Roller: 45-50 km/h)
- reparaturfreundlich für jeden Interessierten
- preiswert (Anschaffungspreis, Unterhalt, Ersatzteile)
- bei regelmäßiger Pflege sehr zuverlässig und langlebig
Welche Nachteile?
- die Bremsen genügen heutigen Ansprüchen nicht mehr so ganz- braucht Kraftstoff-Ölgemisch, das haben nur noch wenige Tankstellen (muss man also selber mischen)
- Für dichten Stadtverkehr ist das Automatikgetriebe moderner Roller besser geeignet
- wird schon seit über 25 Jahren nicht mehr gebaut
Welche Ausführung der Schwalbe ist die Beste?
Für den Alltag eignet sich am besten das Modell KR 51/2 L (L = Luxus). Es wurde 1980 - 1986 gebaut und in den Farben rot und billardgrün verkauft.
+ Durchzugsstarker Motor mit 4 Gängen, viel Kraft auch bei mittleren Drehzahlen
+ 35 Watt Scheinwerferlicht
+ hydraulisch gedämpfte Federbeine
+ Elektronische Zündung (--> Zuverlässigkeit!)
+ bessere Hinterradbremse als bei älteren Schwalben
Wer besonders Wert auf den 60er Jahre - Style legt, sollte sich nach einem Modell bis Baujahr 1973 umsehen.
+ kultige Optik (weiße Zierteile, spitze Auspufftüte, alter Rückspiegel usw.)
+ kerniger Klang und uriges Fahrgefühl
+ sehr langlebiger Motor, durch Gebläse vor Überhitzungen geschützt
- starke Vibrationen in Lenker/Trittbrett/Sitzbank bei hohen Drehzahlen
- Kein optimaler Kraftanschluss beim Schalten der einzelnen Gänge (vor allem bis Februar 1968)
- höherer Verbrauch (3 l/100km), bis Baujahr ca. 1975 ist Gemisch 1:33 erforderlich (belastet Geldbeutel und Umwelt)
Geheimtipp: Modell KR 51/1 S mit Halbautomatik. Optimal für dichten Stadtverkehr!
Welche weiteren Schwalbemodelle gab es?
Die Schwalbe wurde 1964 bis 1986 in 3 Generationen gebaut. 1964-1968: KR 51
1968-1980: KR 51/1 mit verbessertem Motor
1980-1986: KR 51/2 mit neu entwickeltem Motor ohne Gebläse und wahlweise 4 Gängen
Dabei gab es stets einen Grundtyp und darüberhinaus einige Sondermodelle. Der Grundtyp besaß 3 Gänge und reibungsgedämpfte Federbeine, die Lichtleistung betrug 15 Watt (ab 1980: 25 Watt). 1964 gab es nur Handschaltung. Ab 65 wahlweise Fußschaltung, die sich auch bald durchsetzte. Typische Farbe war ein kräftiges blau. Daneben gab es anfangs auch kräftiges orange und graugrün (tundragrau). Ab ca. 1984 wurde der Grundtyp saharabraun (ocker) lackiert.
Das erste Sondermodell kam 1968: Die Schwalbe KR 51/1 S mit Halbautomatik. Hier kuppelt der Motor automatisch, geschaltet wird jedoch ganz normal mit Fußschaltwippe. Die Technik ist ebenso zuverlässig wie das manuelle Getriebe. Sie bedarf etwas Gewöhnung und man beschleunigt etwas langsamer. Für dichten Stadtverkehr ist die Halbautomatik aber eine Wohltat. Das Modell besaß außerdem 25Watt statt 15 Watt Scheinwerferlicht, eine längere Sitzbank, den Schriftzug "SchwalbeS" und hydraulisch gedämpfte Federbeine mit verchromten Hülsen. Sie wurde bis 77 olivgrün und 78 bis 80 rot lackiert. Mit 44 000 gebauten Einheiten zählt die Schwalbe S zu den selteneren Modellen.
1974 kam noch ein Sondermodell hinzu, die KR 51/1 K. Sie hatte eine verlängerte Sitzbank und hydraulisch gedämpfte Federbeine. Bis 77 in der Farbe weiß, 78-80 in der Farbe saharabraun (ockerbraun) gebaut. Insgesamt 185 000 mal.
Ab 1980 gab es dann neue Sondermodelle: Die KR 51/2 E verfügte über 4 Gänge und hydraulische Federbeine. Sie wurde 80-84 in saharabraun und 84-86 in dunklem biberbraun produziert. Das Spitzenmodell KR 51/2 L besaß darüber hinaus eine verschleißfreie elektronische Zündanlage und 35 Watt Scheinwerferlicht. 80-81 in kirschrot, 82-86 in billardgrün gebaut.
Leistungssteigerung
Der Motor der /2 - Schwalben eignet sich für Tuningzwecke. Vor allem bei S51, aber auch bei der Schwalbe KR51/2 werden daher häufig leistungsgesteigerte Fahrzeuge angeboten. Vor allem eine Hubraumvergrößerung auf 60 ccm ist populär geworden und bietet sich z.B. bei einer Motorüberholung an. Technisch ist das eher unbedenklich, schließlich wurden diese Motoren auch ab Werk teilweise mit 70 ccm gebaut (Simson S70, SR80). Auch wenn diese Veränderung bei Verkehrskontrollen praktisch nicht nachweisbar ist, sollte man sich im Klaren sein, dass das illegal ist. Gern wird auch eine größere Hauptdüse in den Vergaser geschraubt. Das bisschen mehr Power steht hier jedoch in keinem Verhältnis zum höheren Spritverbrauch. Dringend abzuraten ist von Extrem - Tuning mit 4-Kanal - Zylinder, Rennauspuff usw, womit über 10 PS aus dem Motor zu holen sind. Für so viel Leistung ist die Technik nicht ausgelegt und geht sehr schnell kaputt. Wenn nicht durch Motorschaden, endet die Fahrt spätestens bei der nächsten Verkehrskontrolle. Die große Zeit solcher Basteleien ist mittlerweile zum Glück weitestgehend vorbei, es wird wieder mehr auf original Fahrzeuge wert gelegt.
Was ist beim Kauf zu beachten?
1. Motor sollte weder beim Beschleunigen noch beim Gas wegnehmen irgendwelche Rassel- oder Klickergeräusche machen. Manche Geräusche werden erst bei beanspruchtem Motor deutlich. Sofern möglich, also nicht nur ne Runde im Hof drehen sondern mal richtig ausfahren.
2. Sich nach den Wellendichtringen der Kurbelwelle erkundigen. Sie können nur durch eine Totalzerlegung des Motors gewechselt werden (Werkstatt: ca. 200 €), sollten daher beim Kauf in Ordnung sein. Defekte Dichtringe erkennt man so: Dünnflüssiges, nach Benzin riechendes Getriebeöl ist der eindeutige Nachweis. Weiterhin: weißer Auspuffqualm, Überhitzungsprobleme, Leistungsverlust, verzögertes Abtouren des Motors im Leerlauf sowie übermäßiges Hochdrehen des Motors im Gang. Sind noch die ersten Wellendichtringe drin, sollten diese getauscht werden. Sie werden nach so langer Zeit undicht, unabhängig von der Kilometerlaufleistung. Man kann mit undichten Ringen zwar noch fahren, aber die volle Leistung erreicht man dann nicht mehr und das Getriebeöl muss regelmäßig auf Füllstand und Qualität überprüft werden.
3. Geradeauslauf ok? Schlingern? Schwalben haben durch kleine Unfälle nicht selten eine verzogene Schwinge oder unrunde Laufräder. Das mindert die Fahrstabilität. Bei Lenkerpendeln könnte auch einfach das Lenkerlager locker sein. Ansonsten sind Reparaturen am Fahrwerk meist aufwendig und teuer, sollte daher beim Kauf in Ordnung sein. Außerdem den Rahmen auf eventuelle Risse prüfen.
Sind diese drei Punkte ok, ist das schon mal nicht schlecht. Alle anderen Defekte oder Störungen lassen sich mit geringem Aufwand reparieren und brauchen deshalb kein grundsätzliches Hindernis zu sein. Ein paar typische Fälle:
4. Rost im Tank bereitet oft Sorgen, mal mit ner Lampe reinleuchten. Sollte er rostig sein, muss man entweder regelmäßig den Benzinhahn säubern, oder man kauft sich einen neuen Tank (gibt es für etwa 35 €).
5. Stottern, Leistungsmangel, instabiler Leerlauf und schlechtes Startverhalten hängen fast immer mit Fehlern in Zündung, Benzinzufuhr oder Auspuffanlage zusammen, die sich mit wenig Aufwand reparieren lassen.
6. Oft sind noch die alten DDR-Reifen drauf. Solang sie noch Profil haben, kann man sie weiter benutzen. Kleine Risse sind nicht bedenklich. Allerdings ist der Gummi oft ausgehärtet und die Bodenhaftung nicht mehr so gut, dessen sollte man sich bewusst sein. Für neue Bereifung empfielt sich das Profil K36 von "Heidenau".
7. Elektrik: Licht, Brems- und Rücklicht sowie die Tachobeleuchtung sollten funktionieren. Bei Einbau einer Batterie werden außerdem Blinker, Parkleuchte, Hupe und Leerlaufkontrollleuchte mit Strom versorgt.
8. Papiere: Schön ist's natürlich, wenn man die alten Originalpapiere ausgehändigt bekommt. Sollten diese fehlen, ist das aber nicht schlimm. Eine Allg. Betriebserlaubnis kann für ca. 25 € in Flensburg neu beatragt werden. Wichtig beim Kauf ist vor allem ein Kaufvertrag.
9. Kilometerstand beachten. Es gibt noch einige Schwalben mit weniger als 15 000 km auf der Uhr. Das kommt wohl daher, dass Mopeds früher manchmal nur als Zweitfahrzeug genutzt wurden. Mitunter war oder ist die Tachowelle defekt, sodass der Kilometerstand nicht stimmt. Am Gesamtzustand des Fahrzeugs lässt sich meist erahnen, ob der Km-Stand realistisch ist oder nicht (z.b. an abgegriffenen Lenkergriffen). Geringe Kilometerlaufleistung ist beim Kauf ein Pluspunkt. Sollte die Schwalbe über 20 000 km gelaufen sein, sollte man sich erkundigen ob bereits eine Motorüberholung stattgefunden hat. Ansonsten muss man damit rechnen, dass diese bald nötig wird. Es stellen sich allmählich Nebengeräusche ein, und spätestens nach 40 000 km muss der Motor regeneriert werden (ca. 250 € in der Werkstatt).
10. Originalzustand ist immer ein Kaufargument. Mit Fahrzeugen, an denen schon viel gebastelt wurde, hat man oftmals Ärger. Sollte eine Schwalbe restauriert worden sein, sollte man aufpassen, sich nicht vom frisch glänzenden Lack zu täuschen. Nicht immer wurde auch unterm Blech gute Arbeit gemacht. Zum Teil nicht einmal wegen Schludrigkeit des Besitzers, sondern durchaus auch wegen minderwertiger Qualität verbauter Ersatzteile. Daher ist es immer am besten, ein gepflegtes, unrestauriertes Fahrzeug zu kaufen. Im Übrigen haben unverbastelte Schwalben ein hohes Wertsteigerungspotential!
11. Die Schwalbe möglichst vor dem Kauf besichtigen! Auf Fotos sieht manches besser aus als es in Wahrheit ist.
Wie teuer ist eine Schwalbe?
Kaufpreis
Vorweg: Die genannten Preise beziehen sich auf die besonders begehrten /2 - Schwalben. Ältere Schwalben mit Gebläsemotor sind jeweils ca. 200 € preiswerter zu bekommen. Einige Ersatzteilhändler und Simson - Werkstätten bieten professionell aus Neuteilen aufgebaute Schwalben mit modernisierter Elektrik an, diese kosten rund 2000 €. Für Schwalben im Topzustand sind etwa 1000 bis 1500 € fällig. Eine gute Schwalbe mit kleineren Spuren der Jahre kostet 600 - 1000 euro. Hat die Schwalbe schon
deutliche Gebrauchsspuren, ist aber technisch noch fit, werden etwa 400 - 600 euro fällig. Weniger schöne Schwalben, bei denen Reparaturen anstehen, kosten 250 - 400 euro. Da allein der Rahmen mit der 60 km/h - Zulassung einiges wert ist, werden selbst für sehr schlechte Schwalben um die 200 € gezahlt. Die Preisentwicklung geht seit Jahren zügig nach oben: Noch im Jahr 2000 waren ordentliche Schwalben für 300 DM zu bekommen, kurz nach der Wende wurden sie nicht selten
einfach verschenkt.
Unterhalt
Die Schwalbe belastet die Brieftasche nur wenig. Der Spritverbrauch von 2,5 bis 3 l/100 km hält die Kosten überschaubar wie auch die geringen Ersatzteilpreise. TÜV und amtliches Kennzeichen/Steuern braucht die Schwalbe nicht. Es wird lediglich ein Versicherungskennzeichen benötigt, das man sich bei verschiedenen Anbietern kaufen kann. Es kostet 50-70 € für 1 Jahr. Günstig ist z.B. die HUK, vor allem für Personen ab 23 Jahren. Für Sammler empfielt sich das Oldtimerkennzeichen der Allianz, das kostet nur 25 €/Jahr, wobei dabei mindestens 3 Fahrzeuge versichert werden müssen, die älter als 30 Jahre sind. Ebenfalls wenig bekannt ist die Option eines roten Kennzeichens, das auf Anfrage auch an Privatpersonen ausgehändigt werden kann. Für Probefahrten darf dieses Kennzeichen an beliebig vielen Fahrzeugen verwendet werden, es kostet 70 €. Um solche Sonderkennzeichen zu bekommen, muss man sich jedoch selbst über die Konditionen informieren, da die Versicherungen diese nur ungern herausgeben. Ist alles mit etwas Glück und Zeitaufwand verbunden.Tips zur Pflege und Handhabung
Für störungsfreien Fahrspaß
Nach dem Kauf sollte man provisorisch folgende Teile erneuern: Zündkerze, Kerzenstecker, Dichtung im Benzinhahn und das Getriebeöl. Ein wichtiges Verschleißteil ist auch der Unterbrecher. Ersatz-Unterbrecher haben leider meist eine schlechte Qualität. Sofern sich die Zündung noch einstellen lässt, sollte der alte Unterbrecher so lange wie möglich beibehalten werden. Für Zündungseinstellung und Unterbrecherwechsel braucht man etwas Erfahrung. Für den Anfänger empfielt es sich daher, diese Arbeiten in einer Werkstatt machen zu lassen (ca. 25 € ). Wer eine L-Schwalbe hat, spart sich diesen letzten Punkt, da sie keinen Unterbrecher hat!
Sollte man mal überraschend liegen bleiben,
am besten erst mal ein paar Minuten warten. Nicht selten lässt sich die Schwalbe dann wieder starten und man kommt erst mal weiter. Springt sie nicht wieder an, zieht man den Benzinschlauch vom Benzinhahn ab und schaut, ob da Sprit rausläuft. Falls nicht, ist der Hahn verstopft, Benzin alle oder das Entlüftungsloch im Tankdeckel zugesetzt. Alles drei sind häufige Störungsursachen! Fließt das Benzin am Hahn gut heraus, prüft man, ob der Auspuffkrümmer fest am Motor sitzt. Ist er locker, erkennt man das auch oft an schwarzen Spritzern am vorderen Kotflügel unten. Ansonsten hilft oftmals eine neue Zündkerze, die man stets dabei haben sollte. Damit kommt man meistens erst mal weiter. Dass man wirklich hilflos liegen bleibt, kommt mit der Schwalbe nur selten vor (gebrochene Schaltfeder z.B.).
Regelmäßig gepflegt werden sollten unbedingt
....der Gasgriff. Er braucht immer mal frisches Fett, damit er funktioniert. Auch die Bowdenzüge sollte man regelmäßig Ölen und auf Schäden prüfen. Sie sollten alle leichtgängig sein. Der Getriebeölstand muss ab und zu kontrolliert werden. Gelegentlich sollte man den Dämpfer im Auspuff herausnehmen und von Ablagerungen befreien. Ein zugesetzter Auspuff führt zu instabilem Leerlauf und verringerter Leistung. Bei der Zündkerze sollte man von zeit zu Zeit den Elektrodenabstand mit einer Fühlleere prüfen. Er muss 0,4 mm betragen, ansonsten verschlechtert sich vor allem das Startverhalten! Den Benzinhahn sollte man regelmäßig säubern, vor allem wenn der Tank rostig ist. Achtung: Oft wird das Kücken zu fest angezogen, sodass die Dichtscheibe kaputt geht. Der Hahn sollte sich leichtgängig auf- und zudrehen lassen! Zusätzliche Filter in der Benzinleitung haben sich nicht bewährt, die stören mitunter die Zufuhr in den Vergaser. In größeren Abständen immer mal den Luftfilter reinigen und die Unterbrecherkontakte einstellen bzw. Unterbrecher austauschen. Der Vergaser wird viel zu oft unnötiger weise aufgeschraubt. Dort gibt es nichts, was regelmäßig gepflegt werden müsste. Man läuft nur Gefahr, etwas an der feinen Mechanik zu beschädigen, viele Vergaserstörungen ergeben sich durch unsachgemäße Herumschrauberei an demselben - Folge ist oftmals falscher Schwimmerstand oder ein undichter Schwimmer. Dreck in der Benzinleitung verstopft meistens den Benzinhahn und nicht den Vergaser, wie oft angenommen wird. Die Batterie bedarf der üblichen Batteriepflege (Ausbauen bei längerer Standzeit, destilliertes Wasser nachfüllen). Viele weitere Pflege- und Reparaturtips findet man dem großen Schwalbe-Buch, das sehr empfehlenswert ist:
Schnelle Hilfe findet man auch im "Schwalbennest" (Forum für die Schwalbe, einfach googeln)
sowie im ddrmoped forum
Zur Fahrweise noch ein Tip
Grundsätzlich sollte die Schwalbe auch ohne Choke anspringen. Dazu Gas
aufdrehen und ankicken. Wenn das nicht klappt, Gas zudrehen, Choke
ziehen und OHNE GASGEBEN 1-2 mal ankicken. Dann Choke schließen und wieder mit Gas antreten. Spätestens jetzt sollte sie laufen. Der Benzinhahn sollte geschlossen werden, wenn die Schwalbe abgestellt
wird. Denn unter ungünstigen Umständen kann sonst Benzin auslaufen oder
der Motor "ersaufen".
Die Schwalbe ist ein Zweitakter. Das heißt, man kann mit ihr nicht fahren wie mit nem Golf Diesel. Bevor man Gas gibt, sollte man sich überlegen, wieviel Kraft man braucht. Dümpelt man bei 30 km/h im größten Gang dahin, steht nur wenig Kraft zur Verfügung. Also sollte man nur vorsichtig Gas geben. Braucht man mehr Kraft, bloß nicht sofort Vollgas geben, sondern erstmal zurückschalten und dann mit höherer Drehzahl den Gasgriff aufdrehen. Denn zuviel Gas in tiefen Drehzahlen schadet dem Motor stark. Ansonsten gilt natürlich, dass man mit möglichst niedrigen Drehzahlen fahren sollte. Das spart Sprit, Lärm und tut dem Motor auch gut, solang man ihn nicht mit plötzlichem Vollgas quält.
Eine gesunde Schwalbe erreicht ihre 60 km/h locker, meist sogar etwas mehr. Das heißt aber nicht, dass man ständig so schnell fahren muss. Oberhalb von 55 km/h steigen Verbauch und Motorverschleiß erheblich an. Wer nur sehr kurze Strecken oder immer in der Stadt fährt, sollte ab und zu eine Vollgasfahrt auf der Landstraße einlegen, da der Motor in der Stadt seine Betriebstemperatur oft nicht erreicht und sich mit viel Ruß und Ölkohle zusetzt. Das mindert die Leistung.
Papiere und Verkehrskontrolle
Zubehör für die Schwalbe
Zuerst einmal der Helm:
Passend zur Schwalbe ist natürlich eine zeitgenössische DDR-Halbschale (Bild). Sie ist nicht ECE-gerecht, aber das Gesetz lässt einigen Interpretationsspielraum, da nicht ausdrücklich gesagt wird, dass nur ECE-gerechte Helme als Helme gelten. Ob ein Helm als Helm anerkannt wird oder nicht, kann der Polizist im Einzelfall selbst entscheiden.Insofern unterliegt man als Halbschalenfahrer einer gewisssen Willkür. Aber das Risiko ist gering, selbst wenn ein Polizist die Halbschale nicht anerkennt, wird nur ein kleines Verwarnungsentgeld wegen Fahren ohne Helm fällig. Da gibts also schlimmeres... Weitere Infos zu diesem vieldiskutierten Thema www.verkehrsportal.de/verkehrsrecht/helmpflicht.php
ECE - gerechte Jethelme bieten freilich mehr Sicherheit, doch sie sind arg voluminös. Es gibt auch schmalere, formschöne Jethelme nach ECE-Norm, sie sind jedoch erst ab 200 € aufwärts zu bekommen. Integralhelme schränken die Sicht ein, sind oft unangenehm schwer und wirken auf einer Schwalbe deplaziert.
Bekleidung
Dank des Wetterschutzes und der Schaltwippe, kann man selbst im Anzug und gutem Schuhwerk mit der Schwalbe fahren. Abgesehen von Handschuhen braucht man keine spezielle Kleidung zum Schwalbefahren.
Zubehör
Der serienmäßige Gepäckträger ist überaus praktisch. Ideal für Aktentaschen, aber auch alles mögliche andere geeignet. Manche Schwalben wurden zu DDR-Zeiten mit Anhänger gefahren und besitzen entsprechende Kupplung und Elektrikanschluss.. Einen originalen Anhänger bekommt man für etwa 100 €. Sehr praktisch. Des weiteren gab es in der DDR Kindersitze mit Fußrasten für die Schwalbe. Für Fahrten an kalten Tagen empfiehlt sich die Kniedecke. Sie hält die Beine und Knie warm und schützt vor Nässe. Allerdings schränkt sie auch die Bewegungsfreiheit ein, vor allem bei großen Personen.
Vorläufer und Nachfolger der Schwalbe
Vorläufer KR 50
Der Vorgänger der Schwalbe heißt schlicht KR 50 und war der erste Kleinroller der DDR. Er ist der Schwalbe sehr ähnlich, hat aber nur 1 Sitzplatz, 2 Gänge und schafft 50 km/h (1958 - 1964 gebaut).
Nachfolger SR 50/80
Im Frühling 1986 begann die Serienfertigung des SR 50. Ein völlig neukonzipierter Roller, der die Schwalbe ziemlich alt aussehen ließ. Dass die Konstruktion sehr fortschrittlich war, zeigt sich daran, dass der Roller auch nach der Wende fast unverändert noch bis 2001 weitergebaut wurde. Er fährt sich wesentlich komfortabler als die Schwalbe, sieht aber eher unauffällig aus und ist daher weniger bekannt und kein Kultfahrzeug. Dabei ist der SR 50 für den Alltag eigentlich empfehlenswerter als die Schwalbe. Ihn gab es sogar mit Elektrostarter, 12 Volt - Elektrik und als SR 80 mit 75 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ab 1992 musste die Höchstgeschwindigkeit aber auf die in der BRD zulässigen 50 km/h gedrosselt werden, womit ein Pluspunkt der Simsonmopeds verlorenging.
Nicht unerwähnt bleiben soll das Duo. Das ist zwar nicht von Simson, besteht aber zu beträchtlichen Teilen aus Baugruppen der Schwalbe, was man ihm auch ansieht. Größter Unterschied: Das Duo hat 3 Räder. Insgesamt sieht es sehr skurril aus. Es fungierte zu DDR - Zeiten als Krankenfahrstuhl und war nicht käuflich zu erwerben, es wurde vom Arzt verschrieben. Es lässt sich komplett per Hand bedienen. Der Behinderte musste weder einen Kaufpreis noch Werkstattaufenthalte bezahlen und erhielt nach einigen Jahren ein neues Duo. Hier schimmert wieder etwas vom Sozialstaat DDR durch. Allerdings war das Duo in seiner primitiven Konstruktion für Behinderte eher eine Zumutung, zumal es keine Weiterentwicklungen gab. Nichtsdestotrotz sitzt man im Duo ausgesprochen bequem und chillich. Und welcher Gehbehinderte ist heutzutage mit einem 50 km/h-schnellen Rollstuhl unterwegs? Ausgemusterte Duos gerieten meist in die Hände bastelnder Jungendlicher. Fahrspaß ist damit garantiert. Auch hier griff zur Wende eine Ausnahmeregelung, sodass auch das Duo weiterhin als Moped gilt und zum Fahren lediglich ein Versicherungskennzeichen nötig ist!
Der Vollständigkeit halber muss natürlich noch erwähnt werden, dass die Schwalbe nur den Kleinrollerbedarf abdeckte. Den Hauptteil der Produktion bei Simson machten verschiedene Moped- und Mokickmodelle aus. So gehört die Schwalbe zu einer ganzen Vogelserie (Spatz, Star, Sperber, Habicht). Diese Modelle wurden aber schon Mitte der 70er von einer neuen Mokick - Generation abgelöst, den S50/51. Das waren die typischen DDR-Mokicks, die auf jedem Schulhof herumstanden und noch heute zahlreich gefahren werden. Vieles hier gesagte trifft natürlich auch auf all diese Mokick-Modelle von Simson zu!


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